ProA
Bittere Ulmer Pille für Jena
Lomax am 19.12.2005 um 17:35
Mit einem glücklichen, am Ende allerdings nicht unverdienten 74:72-Sieg zweier auf gleicher Augenhöhe spielender Teams, setzt Tabellenführer ratiopharm Ulm auch gegen die erdgas baskets aus Jena den seit Saisonbeginn anhaltenden Siegeszug fort. Im Verlauf eines von häufigen Führungswechseln geprägten Spiels, steigerte sich die hochdramatische Schlussphase des Abschlussviertels zum ultimativen Thriller, der die knapp 2.500 Zuschauer am Ende zum nervösen Nägelkauen, resignierenden Haare raufen oder entsetzter Fassungslosigkeit verurteilte.
Bei aller Wertschätzung für den unumstritten genialen Regisseur Alfred Hitchcock, sind jedoch seine Filme gegen Duelle wie diese echte Langweiler. Mit knapp 30minütiger Verspätung begann der Freitag-Abend-Knüller, da die anhaltende Schlechtwetterlage einen der beiden Unparteiischen im verspäteten ICE gefangen hielt. Kurz vor Anpfiff der zu erwartend hitzigen Partie wurde in Folge einer Schweigeminute einem verdienstvollen Ulmer Fan gedacht – beide Fangruppen würdigten ihn mit den wohl stillsten Sekunden am Kuhberg. Nach dieser Unterbrechung hatte es sich dann an diesem Abend allerdings mit der Ruhe. Von Beginn an ging es sowohl on als auch off Court voll zur Sache. Ulms Leader Jonathan Levy brachte die Hausherren von der Freiwurflinie in Führung, bevor Lars Buss ausgleichen konnte. Die folgenden Minuten sahen den Gastgeber im Vorteil, der in der 3. Minute nach einem And1 durch Maksym Shtein auf 10:6 enteilen konnte. Ronnie Taylor glich mit 4 aufeinanderfolgenden Punkten jedoch postwendend aus, bevor es Ali Seggelke vergönnt war, mit einem 3er die erste Jenaer Führung zu erzielen (13:10, 4.). Bereits im Verlauf des ersten Viertels sorgten nicht weniger als 8 Führungswechsel für ausreichend Unterhaltung. Die letzten Punkte waren Christian Grosse vorbehalten, der zur Ulmer 26:28-Führung traf.
Ein weiterhin ausgeglichenes Spiel mit spektakulären Szenen folgten zu Beginn des zweiten Abschnitts. Nach einem schönen Jenaer Backdoor-Anspiel von Lars Buss auf Ali Seggelke zum 32:32 (12.) gelang Ronnie Taylor dasselbe Kunststück wie eine Woche zuvor, als er in Heidelberg Emanuel Dildy beim 3er blockte. Diesmal wurde Jonathan Levy Opfer des sprunggewaltigen Jenaer Guards. In der 16. Minute war es dann erneut Ali Seggelke, der nach Korbleger und einem zugesprochenen Freiwurf auf 36:32 erhöhte. Martin Thuesen konterte aus der Distanz mit seinen einzigen Punkten der Partie zum 36:35-Anschluss. Es folgte das Aufbegehren des "Ulmer Bench Mobs", nachdem sowohl Jan Sprünken (40:40, 18. Min.) als auch Christian Grosse (40:43) Jena zur Auszeit zwangen. Gregor Linke sorgte kurz nach der Rückkehr ins Spiel für den Ausgleich, bevor Gregory Burks einen kurzzeitigen Rückstand kurz vor der Halbzeit hinter der 6,25m-Linie wieder auf 46:45 korrigierte. Nach 20 Minuten zeigten – ähnlich dem Spiel - fast alle statistischen Details des Scoutings ausgeglichene Werte. Lediglich die Freiwürfe – die bisherige Jenaer Domäne – krankten bei einer mageren 50%igen Quote (5/10) bereits zu diesem frühen Zeitpunkt. Diskussionswürdig ebenfalls die Foulverteilung der Ulmer Leistungsträger (Shtein 0 Fouls / Erege 1 / Gibbs 1), die trotz ihres gewohnt enorm physischen Spiels fast ungeschoren blieben.
Die erdgas baskets kamen nach Beginn des 3. Viertels wesentlich besser ins Spiel. Das Menz-Team setzte die taktischen Anweisungen wie gewünscht um und erspielten sich nach einem, den Jenaer Run abschließenden Burks-3er, eine für dieses Spiel verhältnismäßig komfortable 55:47-Führung. Diese verteidigten die Gäste bis zum 57:48 in die 25. Minute, bevor Ulms Aufholjagd begann. Zum herausragenden Spieler in den Reihen, der von Mike Taylor gecoachten Mannschaft avancierte erneut Jonathan Levy. Nachdem er per 3er zum 57:53-Anschluss getroffen hatte, blockte er in der Verteidigung Ronnie Taylor. Jena nahm die Auszeit (26.). Im Spiel zurück, traf Sprünken einen eigentlich unmöglichen 3er zum 57:56. Der Gegenzug wiederum sah die Thüringer nach einem Fastbreak von Ronnie Taylor im Vorteil. Dieser wurde allerdings von gleich 2 Ulmern unsanft gestoppt – der Foulpfiff blieb aus. Dafür folgte eine völlig überzogene Entscheidung für Unmut auf Jenaer Seite, als Levy beim anschließenden Gegenzug den Kontakt zu Oliver Braun suchte. Das von Moritz Krüper gegen Jenas Kapitän Oliver Braun verhängte unsportliche Foul sorgte für hitzige Diskussionen am Spielfeldrand und auf den Rängen. Doch Lamentieren half nichts. Levy versenkte zwar beide Freiwürfe, beim folgenden Einwurf jedoch klaute Ronnie Taylor den Ulmern den Ball und vollendete per Layup zum 59:58.
Die zunehmend hitzige Atmosphäre übertrug sich langsam auch auf das Parkett. Trotz eines Ellenbogens von Jeff Gibbs an Gregor Linke blieb die Pfeife des danebenstehenden Referees stumm. In der Offense hingegen bekam der häufig mit Schulter vorangehende 1,88m große Power Forward fast jeden Pfiff. Gibbs war es letztendlich auch, der mit einem getroffenen Freiwurf zur knappen Jenaer 61:60-Führung die letzten Punkte des Viertels erzielte. Auch im Abschlussviertel schenkten sich die Kontrahenten nichts. Nachdem Oliver Braun zum 63:60 vollendete, rannte Maksym Shtein bei der sich anschließenden Offensivaktion in den Jenaer Center und erzielte das 63:62. Bis zur 35. Minute gelang es danach keinem Team, Punkte zu erzielen und so wurden selbst einfache Körbe (Verstopfer von Shtein beim Dunk-Versuch) verschenkt. Mit zunehmender Spielzeit steigerte sich die Spannung am Kuhberg. Als Levy einen unglaublichen 3er zum 67:67-Ausgleich (noch 106 Sekunden) versenkte, schien sich das Blatt zu wenden. Einer Ulmer Auszeit von Mike Taylor folgte ein Pass ins Nirgendwo. Jena im Angriff und Ali Seggelke mit dem Korberfolg zum 69:67. Ulms Aufbäumen erhielt durch den letzten 3er von Sprünken 62 Sekunden vor Spielschluss zum 69:70 neue Nahrung. Turbulente Szenen und ein Gregory Burks, der an der Freiwurflinie zum 70:70 (noch 50,4 Sekunden) ausgleicht, verstärken den Nervenkitzel.
Crunchtime, hier werden die Helden geboren oder Verlierer gemacht... die Hände fangen an zu zittern, der Druck steigt ins Unermessliche. Jena bekommt ein Foul gepfiffen, Levy trifft nur einen seiner Freiwürfe... 70:71... mit 17,7 Sekunden Restspielzeit nimmt Ali Seggelke einen Distanzwurf, um die Partie für Jena zu drehen. Der Wurf misslingt, die Schiedsrichter entscheiden jedoch auf Foul von Gibbs. Der 96%ige Schütze trifft 2 von 3 Versuchen – Auszeit Jena. Die Thüringer vorn, aber Schwaben im Angriff. Es sind noch 8,3 Sekunden zu spielen, als Levy durch Linke und Taylor gedoppelt und versucht im letzten Moment zu Passen. Entsetzen bei Jena, als die Pfeife von Moritz Krüper ertönt und den erstaunten US-Amerikaner an die Linie schickt. Beide drin... 72:73 ... noch 8 Sekunden... Ronnie Taylor tritt an, zieht an Ulms Baseline zum Korb viele Arme, kein Foul und kein Pfiff... der kommt erst, nachdem Gibbs von Burks beim Rebound gefoult worden sein soll. Der "Charles Barkley der 2. Liga" versenkt den ersten, um den zweiten auf den Ring zu setzen und die verbleibende Sekunde von der Uhr zu nehmen.
Das Spiel ist aus und Ulm feiert - Gratulation zum Sieg...
Presseinfo: erdgas baskets Jena (Tom Prager)
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Bei aller Wertschätzung für den unumstritten genialen Regisseur Alfred Hitchcock, sind jedoch seine Filme gegen Duelle wie diese echte Langweiler. Mit knapp 30minütiger Verspätung begann der Freitag-Abend-Knüller, da die anhaltende Schlechtwetterlage einen der beiden Unparteiischen im verspäteten ICE gefangen hielt. Kurz vor Anpfiff der zu erwartend hitzigen Partie wurde in Folge einer Schweigeminute einem verdienstvollen Ulmer Fan gedacht – beide Fangruppen würdigten ihn mit den wohl stillsten Sekunden am Kuhberg. Nach dieser Unterbrechung hatte es sich dann an diesem Abend allerdings mit der Ruhe. Von Beginn an ging es sowohl on als auch off Court voll zur Sache. Ulms Leader Jonathan Levy brachte die Hausherren von der Freiwurflinie in Führung, bevor Lars Buss ausgleichen konnte. Die folgenden Minuten sahen den Gastgeber im Vorteil, der in der 3. Minute nach einem And1 durch Maksym Shtein auf 10:6 enteilen konnte. Ronnie Taylor glich mit 4 aufeinanderfolgenden Punkten jedoch postwendend aus, bevor es Ali Seggelke vergönnt war, mit einem 3er die erste Jenaer Führung zu erzielen (13:10, 4.). Bereits im Verlauf des ersten Viertels sorgten nicht weniger als 8 Führungswechsel für ausreichend Unterhaltung. Die letzten Punkte waren Christian Grosse vorbehalten, der zur Ulmer 26:28-Führung traf.
Ein weiterhin ausgeglichenes Spiel mit spektakulären Szenen folgten zu Beginn des zweiten Abschnitts. Nach einem schönen Jenaer Backdoor-Anspiel von Lars Buss auf Ali Seggelke zum 32:32 (12.) gelang Ronnie Taylor dasselbe Kunststück wie eine Woche zuvor, als er in Heidelberg Emanuel Dildy beim 3er blockte. Diesmal wurde Jonathan Levy Opfer des sprunggewaltigen Jenaer Guards. In der 16. Minute war es dann erneut Ali Seggelke, der nach Korbleger und einem zugesprochenen Freiwurf auf 36:32 erhöhte. Martin Thuesen konterte aus der Distanz mit seinen einzigen Punkten der Partie zum 36:35-Anschluss. Es folgte das Aufbegehren des "Ulmer Bench Mobs", nachdem sowohl Jan Sprünken (40:40, 18. Min.) als auch Christian Grosse (40:43) Jena zur Auszeit zwangen. Gregor Linke sorgte kurz nach der Rückkehr ins Spiel für den Ausgleich, bevor Gregory Burks einen kurzzeitigen Rückstand kurz vor der Halbzeit hinter der 6,25m-Linie wieder auf 46:45 korrigierte. Nach 20 Minuten zeigten – ähnlich dem Spiel - fast alle statistischen Details des Scoutings ausgeglichene Werte. Lediglich die Freiwürfe – die bisherige Jenaer Domäne – krankten bei einer mageren 50%igen Quote (5/10) bereits zu diesem frühen Zeitpunkt. Diskussionswürdig ebenfalls die Foulverteilung der Ulmer Leistungsträger (Shtein 0 Fouls / Erege 1 / Gibbs 1), die trotz ihres gewohnt enorm physischen Spiels fast ungeschoren blieben.
Die erdgas baskets kamen nach Beginn des 3. Viertels wesentlich besser ins Spiel. Das Menz-Team setzte die taktischen Anweisungen wie gewünscht um und erspielten sich nach einem, den Jenaer Run abschließenden Burks-3er, eine für dieses Spiel verhältnismäßig komfortable 55:47-Führung. Diese verteidigten die Gäste bis zum 57:48 in die 25. Minute, bevor Ulms Aufholjagd begann. Zum herausragenden Spieler in den Reihen, der von Mike Taylor gecoachten Mannschaft avancierte erneut Jonathan Levy. Nachdem er per 3er zum 57:53-Anschluss getroffen hatte, blockte er in der Verteidigung Ronnie Taylor. Jena nahm die Auszeit (26.). Im Spiel zurück, traf Sprünken einen eigentlich unmöglichen 3er zum 57:56. Der Gegenzug wiederum sah die Thüringer nach einem Fastbreak von Ronnie Taylor im Vorteil. Dieser wurde allerdings von gleich 2 Ulmern unsanft gestoppt – der Foulpfiff blieb aus. Dafür folgte eine völlig überzogene Entscheidung für Unmut auf Jenaer Seite, als Levy beim anschließenden Gegenzug den Kontakt zu Oliver Braun suchte. Das von Moritz Krüper gegen Jenas Kapitän Oliver Braun verhängte unsportliche Foul sorgte für hitzige Diskussionen am Spielfeldrand und auf den Rängen. Doch Lamentieren half nichts. Levy versenkte zwar beide Freiwürfe, beim folgenden Einwurf jedoch klaute Ronnie Taylor den Ulmern den Ball und vollendete per Layup zum 59:58.
Die zunehmend hitzige Atmosphäre übertrug sich langsam auch auf das Parkett. Trotz eines Ellenbogens von Jeff Gibbs an Gregor Linke blieb die Pfeife des danebenstehenden Referees stumm. In der Offense hingegen bekam der häufig mit Schulter vorangehende 1,88m große Power Forward fast jeden Pfiff. Gibbs war es letztendlich auch, der mit einem getroffenen Freiwurf zur knappen Jenaer 61:60-Führung die letzten Punkte des Viertels erzielte. Auch im Abschlussviertel schenkten sich die Kontrahenten nichts. Nachdem Oliver Braun zum 63:60 vollendete, rannte Maksym Shtein bei der sich anschließenden Offensivaktion in den Jenaer Center und erzielte das 63:62. Bis zur 35. Minute gelang es danach keinem Team, Punkte zu erzielen und so wurden selbst einfache Körbe (Verstopfer von Shtein beim Dunk-Versuch) verschenkt. Mit zunehmender Spielzeit steigerte sich die Spannung am Kuhberg. Als Levy einen unglaublichen 3er zum 67:67-Ausgleich (noch 106 Sekunden) versenkte, schien sich das Blatt zu wenden. Einer Ulmer Auszeit von Mike Taylor folgte ein Pass ins Nirgendwo. Jena im Angriff und Ali Seggelke mit dem Korberfolg zum 69:67. Ulms Aufbäumen erhielt durch den letzten 3er von Sprünken 62 Sekunden vor Spielschluss zum 69:70 neue Nahrung. Turbulente Szenen und ein Gregory Burks, der an der Freiwurflinie zum 70:70 (noch 50,4 Sekunden) ausgleicht, verstärken den Nervenkitzel.
Crunchtime, hier werden die Helden geboren oder Verlierer gemacht... die Hände fangen an zu zittern, der Druck steigt ins Unermessliche. Jena bekommt ein Foul gepfiffen, Levy trifft nur einen seiner Freiwürfe... 70:71... mit 17,7 Sekunden Restspielzeit nimmt Ali Seggelke einen Distanzwurf, um die Partie für Jena zu drehen. Der Wurf misslingt, die Schiedsrichter entscheiden jedoch auf Foul von Gibbs. Der 96%ige Schütze trifft 2 von 3 Versuchen – Auszeit Jena. Die Thüringer vorn, aber Schwaben im Angriff. Es sind noch 8,3 Sekunden zu spielen, als Levy durch Linke und Taylor gedoppelt und versucht im letzten Moment zu Passen. Entsetzen bei Jena, als die Pfeife von Moritz Krüper ertönt und den erstaunten US-Amerikaner an die Linie schickt. Beide drin... 72:73 ... noch 8 Sekunden... Ronnie Taylor tritt an, zieht an Ulms Baseline zum Korb viele Arme, kein Foul und kein Pfiff... der kommt erst, nachdem Gibbs von Burks beim Rebound gefoult worden sein soll. Der "Charles Barkley der 2. Liga" versenkt den ersten, um den zweiten auf den Ring zu setzen und die verbleibende Sekunde von der Uhr zu nehmen.
Das Spiel ist aus und Ulm feiert - Gratulation zum Sieg...
Presseinfo: erdgas baskets Jena (Tom Prager)
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