ProA

Defensivschlacht der Offensivspezialisten

Frankie am 10.12.2005 um 17:12

Die bis dato besten Offensivteams aus Ulm und Lich trafen am Freitag am Ulmer Kuhberg aufeinander. Nur 1.500 Zuschauer hatten sich in der Ulmer Kuhberghalle eingefunden, um sich von den Qualitäten des TV "Golson" Lich zu überzeugen. Doch Lich zeigte schnell, dass es mehr als den Ligatopscorer Golson zu bieten hat. Ulms Trainer Mike Taylor hatte im Vorfeld ausdrücklich gewarnt, dass sich die Licher über eine harte und kompromisslose Verteidigung Respekt verschaffen werden und im Angriff neben Golson auch der Amerikaner Boticki, der Deutsch-Österreicher Strobl, sowie Distanzwerfer Klassen und die beiden Center Dörr und Lischka Akzente setzen können. Deswegen war die taktische Marschroute, dass man Golson nicht doppeln wolle, sondern man dabei auf die Defensivqualitäten von Jeff Gibbs vertrauen werde, der sich nach seiner Grippe erst einmal mit dicker Wintermütze warmspielte. Die anderen Ulmer Verteidiger sollten darauf achten, dass deren Gegenspieler nicht heisslaufen.

Nach 3 Minuten führte der Gastgeber durch Körbe von Levy und Erege mit 7:2, zwei Zeigerumdrehungen später war Lich mit 9:7 vorne, wieder eine Minute später war Ulm mit 14:11 in Front. Bei beiden Teams dominierte die Verteidigung, doch auch in der Offensive servierten beide Teams einige Leckerbissen. Vor allem der elegant spielende Golson zeigte im ersten Viertel seine Klasse (8 Punkte). Zur ersten Pause führte Lich 19:17 und die unüberhörbaren Rufe eines Ulmer Fans ("Ihr verliert sicherLICH") schienen zu diesem Zeitpunkt noch etwas optimistisch. Im zweiten Viertel legte dann Ulms Angriffsmaschine los. Mit 11:2 gingen die ersten fünf Minuten an Ulm (28:21). Lediglich einige merkwürdige Pfiffe stoppten in dieser Phase den Ulmer Angriffswirbel. Nach dem zweiten 3-Sekunden und dem dritten Schrittfehlerpfiff gegen Ulm war Trainer Mike Taylor sichtlich unzufrieden mit der Leistung der beiden Unparteiischen. Jeff Gibbs hatte Reggie Golson inzwischen gut im Griff, aber Lichs Boticki drehte nun auf und brachte sein Team mit 8 Punkten im zweiten Viertel wieder auf 33:33 ran. Nach einem Dreier von Ulms Möbius ging Ulm mit einer 36:33 Führung in die Halbzeitpause. Beide Teams hatten in den bisherigen Begegnungen zu dem Zeitpunkt im Schnitt 10 Punkte mehr erzielt.

Auch im 3. Viertel blieben die Bierstätter dran, obwohl Ulm aus der Distanz weiter vorzüglich traf. Doch nun sorgten bei Lich Dörr und Strobl in der Offensive für Entlastung, da Golson nun gegen Jeff Gibbs fast nicht mehr zur Entfaltung kam. In der 28. Minute führte Ulm 54:46, als Ulms Trainer Mike Taylor eine erneute "knappe" Foulentscheidung gegen Erege kritisierte. Die Folge war ein technisches Foul und Lich verkürzte auf 51:54. Dies war dann allerdings Lichs vorletzte Drangperiode. Mit den lautstarken Ulmern Zuschauern im Rücken wurde das letzte Viertel die erhoffte Offensivdemonstration der in der Saison immer noch ungeschlagenen Ulmer. 30 Punkte wurden im letzten Viertel im Licher Korb versenkt. Nach 35 Minuten stand es 76:65. Lich verkürzte noch einmal durch 4 Punkte von Golson auf 69:76, doch die letzten Minuten gehörten Jeff Gibbs, der das Duell des Spieler des Monats Oktobers der 2. Liga Süd (Gibbs) gegen den Spieler des Monats November (Golson) am Ende knapp nach Punkten gewann. Nachdem Reggie Golson zuvor gegen Jena 34 Punkte und gegen Kaiserslautern sogar 35 Punkte gelungen waren, musste er sich gegen Ulms Verteidigungskünstler mit 24 Punkten begnügen. Damit hatte er zwar 5 Punkte mehr als Ulms Jeff Gibbs, aber dieser griff sich nebenbei noch 14 Rebounds (Golson 5). Die beiden Licher Topscorer hatten dieses Mal in der Offensive wenig Unterstützung auf den beiden Guardpositionen. Die gute Verteidigung von Martin Thuesen, Jan Sprünken und Chris Grosse hielt Rolf Scholz bei 0 Punkten und Viktor Klassen traf nur einen seiner 10 Würfe. Zu wenig um die ersten beiden Punkte aus Ulm zu entführen. Bei Ulm erhielt Jeff Gibbs in der Offensive vor allem Unterstützung von Jonathan Levy (20 Punkte, 8 Reb), Maksym Shtein (14), Emeka Erege (12 P, 7 Reb) und Chris Grosse (9). Eine Minute vor dem Ende durften dann auch wieder Ulms Youngstars ran. Mit einem Freiwurf zum 89:73 setzte Sebastian Geserick den Schlusspunkt.

Beide Trainer waren am Ende mit der Leistungen ihres Teams zufrieden. Zum Trainerstatement hatte Lichs Trainer Kostic seinen Assistenten Jens Gehlhaar geschickt. Dieser lobte auch noch einmal ausdrücklich die Verteidigungsleistung seines Teams: "Wir haben sehr, sehr stark verteidigt, was wir in den vergangenen Spielen eben nicht getan haben. Das war der Schlüssel, um so eng an Ulm dran zu sein". Ulms Trainer Mike Taylor sah in der überragenden Ulmer Verteidigung in der 2. Halbzeit den Schlüssel zum Sieg: "Wir haben in der 2. Halbzeit wirklich eine sehr gute, druckvolle Verteidigung gespielt". Viel Zeit zum Ausruhen bleibt beiden Teams nicht. Schon am Sonntag stehen die nächsten Begegnungen auf dem Spielplan. Lich erwartet mit Chemnitz das nächste Topteam. Ulm muss zum USC Freiburg, der gestern überraschend deutlich in Bayreuth verloren hat. Für Jeff Gibbs wartet dort schon die nächste Spezialaufgabe. Er soll sich um Power Forward John Thomas kümmern, der Freiburgs bester Scorer und Rebounder ist. Doch die heimstarken Freiburger haben mit Aufbauspieler Douloudis und dem Amerikaner Gardner weitere Schlüsselspieler, die man ausschalten muss, wenn man auch das 13. Spiel in Folge gewinnen will. Allerdings haben schon Kaiserslautern und Heidelberg die Punkte im Breisgau lassen müssen. Im 2. Spiel innerhalb von 46 Stunden ist alles möglich. Damit die Ulmer Spieler auch in Freiburg mit vollem Akku antreten können, hat die Trattoria Pizzeria Gindele am Sonntag den Koch extra früher einbestellt. So müssen die Ulmer Korbjäger auch dieses Mal trotz der frühern Abfahrt nicht auf ihre gewohnten Nudeln im Bus verzichten.

Ulm: Thuesen (4 P, 3 Ass, 2 Steals), Levy (20 P, 8 Reb, 4 Ass), Gulde, Friede, Grosse (9), Sprünken (4 P, 3 Ass), Erege (12 P, 7 Reb, 5 Ass, 2 Steals), Gibbs (19 P, 14 Reb, 3 Ass), Sivorotka, Möbius (6), Shtein (14 P, 2 Ass), Geserick (1).

Lich: Scholz (7 Reb), Klassen (3), Strobl (10), Unger, Prasuhn, Boticki (20), Golson (24 P, 5 Reb, 3 Ass, 3 Steals), Lischka (8 P, 4 Reb), Dörr (8 P, 3 Reb).

Presseinfo: ratiopharm Ulm (Dr.Thomas Stoll)

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