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Falken landen mit Supersaison in der BBL

_Tigger am 26.06.2005 um 11:47

Rückblick, Oktober 2001. Der RCE Falke Nürnberg tritt an, sich vom Rest der Zweitligisten aus der Halle schießen zu lassen. Die im Vorjahr so unsanft auf dem Boden der Tatsachen gelandeten Consors Bulls waren endgültig gestorben, als kurz vor Beginn der neuen Saison der Hauptsponsor absprang und der Basketball in Nürnberg vor der totalen Pleite stand. Ein Team aus jungen, unbekannten Spielern um die Oldies Tenter, Aw und Rissmann und Trainer Stephan Harlander machte das unmögliche möglich und rettete sich, beendete die Saison gar auf Platz Neun, mit positivem Punktverhältnis!

Noch mal Rückblick, diesmal in den April 2005. Der RCE Falke Nürnberg wird in die BBL aufsteigen, die 1. Liga! Erste Liga in Nürnberg! Tenter, Aw und Rissmann sind immer noch dabei, von den einstmals Jungen ist noch Robert Dühring übrig geblieben, und auch Stephan Harlander ist noch dabei, zweifellos der Vater des Erfolges in Nürnberg. Kontinuierlich verstärkte er sein Team, Jahr für Jahr, immer ein bisschen weiter in der Tabelle nach Oben. Bis ganz Oben schließlich!

Die Saison 2004/05 begann mit einem 90:56-Kantersieg über den TV Langen. Nach dem zweiten Spieltag (86:58 in Breitengüßbach) war das RCE-Team sogar Tabellenführer, punktgleich mit Favorit Ulm, aber mit besserem Korbverhältnis. Ab dem dritten Spieltag (80:57 über Ehingen) erst war das Team komplett. Nach Sotiris Gioulekas und John Kadmous traf Forward Cory Jenkins als letzter Neuzugang in der Noris ein, die Besetzung der Stelle auf der Forward-Position hatte sich Stephan Harlander bis zuletzt offen gehalten. Welch großer Griff ihm da gelungen war, zeigte sich schon bei Corys erstem Spiel, in dem er für 14 Punkte und zwölf Rebounds sorgte.

Die Partie beim TV Lich (73:68-Sieg) darf als erster, schwerer Prüfstein der Saison gelten. Der Licher Frontcourt DeMichael/Anzanjac wurde bei "nur" 30 Punkten gehalten, Julius Jenkins steuerte alleine 37 Punkte bei.

Nach zwei weiteren Siegen über Kaiserslautern und Kronberg stand der erste Höhepunkt der Saison an, das Duell mit dem hohen Favoriten ratiopharm Ulm. Noch nie zu Zweitligazeiten konnte Nürnberg gegen Ulm gewinnen. Das Interesse an diesem Spiel war, nicht nur in Nürnberg, riesengroß, etwa 1.700 Fans füllten die Nürnberger BBZ-Halle. Und sie sollten ihr Kommen nicht bereuen, zumindest wenn sie dem RCE Falke die Daumen drückten. Mit 91:75 (50:34) wurden die Ulmer Spatzen gerupft.
Dem Highlight sollte schon die Woche darauf das nächste folgen: Der USC Heidelberg, ebenfalls noch mit Aufstiegsambitionen behaftet, verlangte dem RCE Falke in einem Spiel auf Erstliganiveau alles ab und musste sich nur knapp mit 80:83 geschlagen geben.

"Ab heute geht's um was!" (S. Harlander nach dem Sieg in Heidelberg)
Der Rollentausch war vollzogen. Vom Jäger zum Gejagten – ab sofort war der RCE Falke Nürnberg das Maß der Liga. Denn der neunte Spieltag brachte nicht nur einen deutlichen 83:62 Sieg über Aufsteiger FC Bayern München zutage, Ex-Favorit Ulm unterlag zudem bei den erdgas baskets Jena mit 89:92. Vier Punkte Vorsprung auf Ulm...!

Das darauf folgende Derby gegen den BBC Bayreuth ging ungewöhnlich klar an den RCE Falke (91:68), der sich am 10. Dezember auf den Weg zum Ulm-Bezwinger Jena machte. Nachdem das Team von Stephan Harlander im ersten Viertel (30:17!) noch förmlich überrollt wurde, gewann es nach zähem Ringen mehr und mehr die Oberhand und konnte in einer hochklassigen Partie einen weiteren "Big Point" einfahren. 95:85 endete das Spiel, weiterhin vier Punkte Vorsprung auf Ulm!

Nach dem harten Kampf in Jena ließ sich ein gewisser Kräfteverschleiß nicht verbergen, das folgende Heimspiel gegen den USC Freiburg konnte dennoch mit 81:76 gewonnen werden. Die "frohen Weihnachten" sollte sich das RCE-Team am 13.Spieltag mit einem imposanten, jederzeit ungefährdeten 78:66 im Hexenkessel des BV Chemnitz vor 2.000 Zuschauern selber bescheren.

Hatte man beim RCE Falke bis Jahreswechsel die Favoritenrolle auf den Aufstieg nur zögerlich und vorsichtig angenommen, so änderte der 16. Spieltag dies schlagartig. Der Nürnberger Sieg in Langen (97:74) war Nebensache, die 77:85-Niederlage von ratiopharm Ulm bei der abstiegsgefährdeten TSG Ehingen war die Sensation des Spieltages. Und plötzlich waren es schon sechs Punkte...!

Wichtiger Sieg in Kaiserslautern!
Nach Siegen über Crailsheim, Breitengüßbach, Ehingen und Lich gab es wieder einen "harten Brocken". Der 1.FC Kaiserslautern, der noch zwei Spieltage zuvor Konkurrent Ulm mit 85:69 demontiert hatte, empfing den RCE Falke um dem Tabellenführer endlich, endlich die erste Niederlage beizubringen. Indes, auch hier zeigten sich Stephan Harlanders Spieler meisterlich und siegten mit 109:92.

Nach dem Heimsieg über den MTV Kronberg (93:67) kam es zum Gipfeltreffen, das eigentlich keines mehr war. Mit acht Punkten und einem komfortablen 16-Punkte-Sieg aus der Vorrunde im Gepäck machten sich das Team und etwa 200 Fans auf nach Ulm, wo das heimische ratiopharm-Team dem RCE Falke auch endlich die erste Saisonniederlage beibrachte. Nach dem 89:82 waren irgendwie beide Mannschaften und Fangruppen zufrieden. Ulm, für die der Zug Richtung erste Liga ohnehin schon abgefahren war, hatte Nürnberg die erste Niederlage beschert; Nürnberg hingegen konnte den direkten Vergleich für sich entscheiden und entspannt in die Endphase der Liga gehen.

Und um nur ja keinen Zweifel an der Eindeutigkeit des Aufstiegswillens zuzulassen, wurde in rascher Reihenfolge Heidelberg (95:75), München (113:93) und Bayreuth (106:97) zum Teil deutlich in die Schranken gewiesen.

Wer jemals versucht hat, zwei Schritte auf einmal zu machen, der weiß um die Schmerzen des plötzlichen, harten Aufschlags wenn dieser zweite Schritt zum Stolpern führte. So geschehen bei der desaströsen 56:85-Heimniederlage gegen Jena. 1.800 Zuschauern in der vollständig ausverkauften BBZ-Halle bot sich ein RCE-Team, das dem Gast aus Thüringen über die gesamten 40 Minuten nicht das geringste entgegenzusetzen hatte. Vorne mutlos, hinten kopflos, am Ende sieglos. Die Aufstiegsfeierlichkeiten mussten verschoben werden. Ein routiniert herausgespielter Auftritt beim USC Freiburg schließlich "besiegelte das Schicksal" des RCE Falke Nürnberg endgültig; uneinholbar auf Platz Eins sicherten sich Stephan Harlander und seine Mannschaft die Meisterschaft.

Zum letzten Zweitliga-Heimspiel gab sich der BV Chemnitz die Ehre, hielt auch ein Halbzeit lang gut mit und feierte am Ende trotz der 79:89 Niederlage mit dem RCE Falke.

Zwar setzte es am vorletzten Spieltag ohne die verletzten bzw. erkrankten Cory und Julius Jenkins noch eine Niederlage beim TSV Nördlingen (82:87), doch der guten Laune in Nürnberg tat dies keinen Abbruch. Der Sieg bei den Crailsheim MERLINS (102:76) am 30. April 2005 darf als würdiger Abschluss der Saison gelten.

Das Meisterteam
Die hier aufgezählten Spieler dürfen für sich in Anspruch nehmen, nicht nur das beste Team der Liga zu sein, sondern auch als wirkliches TEAM aufgetreten zu sein.

#4 Robert Dühring
Trotz immenser zeitlicher Belastung durch sein Studium lieferte "Robi" Woche für Woche verlässliche Leistung ab. Ob im Training oder im Spiel, ständig war er eine exzellente Entlastung für seien Nebenleute im Angriff und ein unangenehmer, aggressiver Gegner in der Abwehr.

#5 Mario Göhring
Gerade mal 32 Minuten in der gesamten Saison durfte Mario aufs Spielfeld, zu dominant waren Spieler wir Marcel Tenter oder Julius Jenkins vor ihm. Doch wenn's drauf an kam, dann war auf ihn Verlass. Im Training die anderen Spieler zu fordern, wie es Mario getan hat, ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg.

#6 Matthias Meinel
Den Wert, den "Matze" für das Team hat, kann nur erahnen wer das Training verfolgt. Mit seiner Art, niemals weniger als 110% zu geben, lässt er die "arrivierten" Kräfte im Training nicht zur Ruhe kommen und treibt diese beim geringsten Anzeichen einer Nachlässigkeit mit seiner Kampfkraft in den Wahnsinn. In seinen durchschnittlich sechs Minuten Einsatzzeit zeigte er gute Leistungen, und für die gute Laune im Team ist er ohnehin ein Glücksgriff.

#7 Angelos Plantzas
Der kleinste Spieler der Liga (171cm) ist gleichzeitig auch einer der abgezocktesten. Ansatzlose Dreier gehören ebenso zu seinem Repertoire wie eiskalt verwandelte Freiwürfe (94,1%). Ein unersetzlicher Backup-Guard für Marcel Tenter.

#8 John Kadmous
183cm Muskelmasse, die den Gegner auf dem Platz verfolgen und unablässig malträtieren. Von seinen offensiven Qualitäten haben die Zuschauern noch nicht viel gesehen, dafür hatte er zu wenig Spielzeit. Aber wie er in der Abwehr den Gegner unter Druck setzt, ist eine Augenweide.

#9 Michael Kaiser
"Mike" ist eine der großen Hoffnungen für die Zukunft des RCE Falke. Er ist sich nie zu schade, für andere die Drecksarbeit zu übernehmen – und versenkt auch gerne mal die Dreier aus der Ecke, wenn er alleine gelassen wird.

#10 Sotiris Gioulekas
Der "große Grieche", neben Cory Jenkins der zweite Neuzugang im Team. Soto ist eine ständige Bedrohung an der Dreierlinie – und doch schnell und kräftig genug, den Gegner auch mal unter dem eigenen Korb aufzumischen.

#11 Julius Jenkins
Topscorer, Publikumsliebling, Show-Act, ohne Zweifel der MVP der Liga. Sein schneller Antritt und seine Dunks (besonders nach Alley-Hoop Anspielen von Marcel Tenter) sind eine Augenweide. Seine Offense-Qualitäten sind so überragend, dass seine nicht minder gute und wichtige Defense daneben fast nicht auffällt.

#12 Cory Jenkins
Der absolute Glücksgriff der Saison. Cory kam erst zum dritten Spieltag der Saison nach Nürnberg, und das Warten hat sich gelohnt. Selten sah Nürnberg einen derart abgebrühten Spieler. Seine Athletik und sein Verständnis für taktische Gegebenheiten machen ihn zu einem der besten Spieler auf seiner Position, und das ganz ohne Showeinlagen. Obwohl auch Cory es versteht, den Ball durch die Reuse zu prügeln...

#13 Karim Aw
Richtig heißt er ja "Kariiiim... Aaaaaaaw" – zumindest in Nürnberg. Der Opa unter den Centern ist Jahr für Jahr ein Magnet für alle vom Brett abprallenden Bälle, ein Rebounder vor dem Herrn. Warum die Bälle, egal aus welcher Richtung sie geworfen werden, am liebsten zu Karim abprallen, das ist seit Jahren sein Geheimnis.

#14 Marcel Tenter
The Floor General – Selten hat ein Titel so gut gepasst wie dieser. Mit 7,5 Vorlagen pro Spiel stellt Marcel sämtliche Guards, egal welchen Alters, vollständig in den Schatten. Wenn ihm danach ist, dann spurtet er auch mal "Coast to Coast" und legt den Ball locker in Korb – Freund und Feind rundherum geflissentlich ignorierend.

#15 Thomas Rissmann
Der Kapitän, der sich mit seinem Rücktritt der Belohnung für die eigene, jahrelange Arbeit selber entzieht. Als Backup für Aw und Jenkins wohl der beste sechste Mann der Saison. Schade, dass er nicht mehr dabei ist!

Der Coach: Stephan Harlander
Wer "Harli" kennt, der muss sich bei dem Titel "Vater des Erfolges" unweigerlich das Grinsen verkneifen. Aber welcher Titel würde besser passen? Von ganz Unten nach ganz Oben, Harli hat ohne Unterlass, mit viel Enthusiasmus, Cleverness, Selbstkritik und nicht zuletzt einem gewaltigen fränkischen Sturschädel etwas vollbracht, was viele gehofft, aber nie wirklich geglaubt haben. Er hat aus einer Underdog-Truppe mit gezielten Verstärkungen und ausgefeilter Taktik ein Siegerteam geschaffen. Dass seine Wutausbrüche an der Seitenlinie mit zunehmendem Erfolg immer seltener wurden, freut vor allem die Schiedsrichter.

Michael Janisch

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